WAS NEUE FENSTER KÖNNEN MÜSSEN

Fenster müssen lange halten. Laut Verband Fenster + Fassade (VFF) sind Fenster und Türen im Schnitt für 48 Jahre im Einsatz. Dabei sind schon

Dietrich Schneider  / pixelio.de

Dietrich Schneider / pixelio.de

viele Fenster, die vor 20 Jahren eingebaut wurden, heute energetisch nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Durch defekte Dichtungen oder mangelnde Verglasung entweicht unnötig Wärme. Je nach dem, wie veraltet die Fenster sind, kann sich ein Austausch schon über die gesparten Energiekosten rechnen. Zuschüsse vom Staat gibt’s außerdem. Allerdings sollte man vor dem Kauf genau hinsehen. Darauf muss man bei Fenstern achten.

Spätestens wenn ein Beschlag defekt, ein Glas trübe oder ein Einbrecher all zu leicht durchs Fenster eingedrungen ist, werden die Schwachstellen der alten Fenster offenbar. Und wer beim Dämmen der Fassade darauf verzichtet, die alten Fenster auszutauschen, verschenkt womöglich großes Energiesparpotenzial. „Neue Fenster mit Dreifachverglasung dämmen drei bis vier Mal so gut, wie die alten, undichten Fenster“, weiß Ulrich Tschorn vom VFF. Das gilt natürlich nur, wenn man beim Kauf ein paar wichtige Kriterien beachtet.

1. Wärmedämmung

Wie gut ein Fenster beim Energiesparen hilft, erkennt man am Wärmedurchgangskoeffizient, dem sogenannten U-Wert. Er besagt, wie viel Wärme bei einem Temperaturgefälle von einem Grad Kelvin zwischen Außen- und Innenraum durch einen Quadratmeter Fensterfläche verloren geht. Der Wärmeverlust wird in Watt pro Quadratmeter Kelvin (W/m2K) gemessen. Je geringer der U-Wert, desto besser ist die Wärmedämmung des Fensters. Dabei ist allerdings der U-Wert entscheidend, der sich auf das gesamte Fenster, nicht etwa nur auf die Verglasung oder nur auf den Rahmen bezieht. Er wird Uw-Wert genannt.

Die Energieeinsparverordnung schreibt für Veränderungen von Fenstern bei Bestandsimmobilien einen Uw-Wert von höchstens 1,3 vor. Es gibt jedoch auch Fenster mit erheblich besserer Dämmwirkung. „Am oberen Ende der Preisskala finden sich schmale Holzrahmen mit aufgeklebten Dämmstoffen und Alu-Verschalungen“, erläutert Thomas Weber, Berater im Verband Privater Bauherren (VPB). „Mit einem Uw-Wert von 0,7 bis 0,8 sind sie unter energetischen Gesichtspunkten spitze.

2. Gesamtenergiedurchlass

Weniger beachtet als der U-Wert wird meist der g-Wert. Er gibt an, wie viel Energie aus der Sonnenstrahlung, die auf das Fenster trifft, in den Wohnraum gelangt. Bei einem g-Wert von 0,60 sind dies 60 Prozent. Er ist vor allem für Fenster wichtig, die sich auf der Südseite befinden und starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Ein hoher g-Wert kann bei Südausrichtung und großen Flächen im Sommer zur Überhitzung der Räume führen. Umgekehrt kommt bei einem niedrigen g-Wert auch an kühlen Tagen nur wenig Sonnenwärme ins Haus. „Das heißt in den Übergangszeiten: Ich muss früher die Heizung einschalten“, erklärt Weber. Wer also ein Südseitenfenster mit hohem g-Wert einbaut, muss im Winter weniger Heizen und im Sommer für einen guten Sonnenschutz sorgen. Für Nordseitenfenster spielt der g-Wert eine eher untergeordnete Rolle.

3. Sonnenschutz

Sonnenschutzgläser haben eine Lichtdurchlässigkeit von 50 bis 70 Prozent, sie bieten aber keinen Blendschutz. „Bei Fenstern mit Südausrichtung können Sonnenschutzgläser Sinn machen“, erklärt Ulrich Tschorn. Aber das verringert in jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung den Lichteinfall. Die Alternative sind außenliegende Beschattungssysteme wie Markisen, Rollläden oder Jalousien.

4. Helligkeit

Die Lichtdurchlässigkeit eines Fensters hängt von seiner Dicke und von Zusätzen im Glas ab. Eisenarmes Glas etwa lässt viel Licht durch. Die Lichtdurchlässigkeit wird in Prozent angegeben und liegt bei Wärmeschutzgläsern bei etwa 80 Prozent.

5. Schallschutz

In Häusern an stark befahrenen Straßen wünscht sich mancher Anwohner, dass der Lärm draußen bleibt. Geschlossen gehaltene Schallschutzfenster helfen. „Sehr effektiv und nicht allzu teuer sind asymmetrisch aufgebaute Fenster, bei denen die äußere Scheibe dicker ist als die innere“, erklärt Tschorn. Bei anderen Systemen werden die Zwischenräume der Scheibe gedämmt, manchmal auch mit Gießharzen gefüllt. Aber: Durch die höhere Dichte werden die Scheiben dicker und schwerer, warnt VPB-Experte Weber. Das habe Auswirkungen auf den Bedienkomfort. Er rät daher, sich gut zu überlegen, wo Schallschutz wirklich sinnvoll ist. „An einer vielbefahrenen Straße mag es nötig sein, aber vielleicht auch dort nur in einem Raum.“

7. Sicherheit

Auch Einbruchschutz ist nicht bei allen Fenstern gleich wichtig. „Mitten in der Fassade im zweiten Obergeschoss brauche ich häufig kein einbruchhemmendes Fenster“, sagt Spiekers. „Auf der schwer einsehbaren Rückseite des Hauses im Erdgeschoss macht dies hingegen Sinn.“ Kennzeichen von einbruchhemmenden Fenstern sind unter anderem stabile Pilzkopfzapfen, Fenstergriffe mit Drehhemmung, Anbohrschutz am Fenstergriff und eventuell Verbundsicherheitsglas. Die Polizeiliche Kriminalitätsprävention der Länder und des Bundes empfiehlt im privaten Wohnungsbau Fenster der Widerstandsklasse 2, angeben mit RC 2.

8. Lüftung

Moderne, dichte Fenster verlangen ein Umdenken in Sachen Lüftung. Wer viel unterwegs ist, muss für einen Luftwechsel sorgen, auch wenn er nicht da ist. „In die Fenster integrierte Falzlüfter oder auch Schachtlüfter sind gute Lösungen“, findet Spiekers.

9. Komfort

Tiefer gesetzte Fenstergriffe erleichtern Kindern und Rollstuhlfahrern das Öffnen und Schließen der Fenster. Zusätzlichen Komfort bringt Zubehör wie Fliegengitter, sommerliche Beschattung und eine automatische Steuerung des Rollladens.

 

Das könnte Dich auch interessieren …

Kommentar verfassen